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Bohumil Hrabal

Dienstag, 15. Februar 2011

Bohumil Hrabal (*28.März 1914 in Brünn (Brno); † 3.Februar 1997 in Prag) war ein tschechischer Schriftsteller. Er gilt als einer der bedeutendsten tschechischen   Autoren des 20. Jahrhunderts.

Bohumil Hrabal kam in Brno (Brünn) zur Welt. Der Name seines biologischen Vaters ist nicht bekannt. Als seine Mutter Marie 1920 den Buchhalter der Brauerei in Polná  , František Hrabal heiratete, nahm dieser Bohumil als seinen Sohn an. Die Familie zog nach Nymburk an der Elbe um, wo Bohumil seine Kindheit und Jugend verbrachte. Diese Zeit verarbeitet er in verschiedenen seiner literarischen Werke, etwa der Trilogie Das Städtchen am Wasser (Die Schur, Schöntrauer, Harlekins Millionen) und in Das Städtchen, in dem die Zeit stehenblieb.

Hrabal war kein besonders guter Schüler. Wesentlich mehr als für die Schule interessierte er sich für das bunte Geschehen in der Brauerei und für Josef, genannt Onkel Pepin, den Bruder seines Stiefvaters Francin, der “zu Besuch kam und bis zum Tode blieb”. Anhand des Redeflusses von Onkel Pepin hatte Hrabal seinen literarischen Stil geschult, für den er das Fantasiewort “Bafeln” (tschechisch “pabit”) erfand. Ein langer stilisierter Monolog Onkel Pepins findet sich in Die Leiden des alten Werther, welches später zu Tanzstunden für Erwachsene und Fortgeschrittene umgeschrieben wurde.

Nach seinem Abitur (1935) studierte Hrabal an der Juristischen Fakultät, besuchte jedoch gleichzeitig Vorlesungen über Literaturgeschichte, Kunst und Philosophie. Aufgrund der zeitweiligen Schließung der Hochschulen während der Okkupation konnte er sein Studium erst 1946 abschließen. Während des Krieges war er bei der Bahn u.a. als Fahrdienstleiter in Kostomlaty nad Labem beschäftigt, was sich – wie auch bei seinen übrigen Tätigkeiten – in seinem literarischen Werk widerspiegelt (Reise nach Sondervorschrift – Zuglauf überwacht). Seine beruflichen Tätigkeiten wechselten zwischen Versicherungsagent, Handelsreisender und schließlich Hilfsarbeiter in einer Stahlhütte (ab 1949), wo er dann nach einem schweren Unfall von 1953 bis 1959 als Verpacker von Altpapier in einem Rohstoff-Sammellager arbeitete. Diese Zeit ist literarisch verarbeitet in einer seiner berühmtesten Erzählungen Allzu laute Einsamkeit, aber auch im ersten Teil seiner autobiographischen Romantrilogie Hochzeiten im Hause.

Hrabal schrieb bereits seit den 1930er Jahren literarische Texte, die jedoch zunächst unveröffentlicht blieben. Erste Texte erschienen vereinzelt in den 1950er Jahren. Zum Beruf machte er das Schreiben jedoch erst 1963. Ab 1970 durfte er für einige Jahre nicht mehr publizieren und schrieb daher in Samisdat- oder Exil-Zeitschriften. 1975 veröffentlichte er in der Zeitschrift Tvorba einen selbstkritischen Aufsatz, der es ihm unter teilweise strenger Aufsicht der Zensur ermöglichte, wieder zu publizieren. Eine Reihe seiner Werke wurde vom Verlag Pražská imaginace (“Prager Imagination”) herausgegeben. In den Jahren 1991 bis 1997 erschien dort sein gesammeltes Werk in 19 Bänden.

Bohumil Hrabal starb in Prag nach einem Fenstersturz beim Füttern von Tauben aus dem 5. Stock des Krankenhauses ‘Na Bulovce’, in dem er in Behandlung war. Ob Hrabals Tod ein Selbstmord oder ein Unfall war, wurde im internationalen Feuilleton oft diskutiert, blieb jedoch ohne konkretes Ergebnis und wird auch nicht mehr festzustellen sein. Für einen Freitod Hrabals jedenfalls spricht das Argument, dass die Todesart sehr arrangiert wirkt und Gemeinsamkeiten mit Szenen aus Hrabals Werk aufweist. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder auf die drei berühmten Prafeg Fensterstürze angespielt – Hrabals Tod stellt demnach den vierten Prager Fenstersturz dar.

Er wurde im Familiengrab auf dem Friedhof in Hradištko u Sadské bestattet. In demselben Grab sind auch seine Mutter “Maryška”, Stiefvater “Francin”, Onkel “Pepin”, Ehefrau “Pipsi” und Bruder “Slávek” begraben.